Grammatikübungen

Die Modalverben may und might

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Für alles, was möglich, aber nicht sicher ist, und für die formelle Erlaubnis. Might ist das zweifelndere der beiden.

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Möglichkeit

Beide sagen, dass etwas möglich ist, ohne zu sagen, dass es sicher ist:

She may be in the garden. She might be in the garden.

Der Unterschied liegt darin, wie sicher du klingst, und das ist eine Frage des Grades, nicht der Regel:

Meistens geht beides, und niemand würde dich korrigieren. Wo der Unterschied zählt, ist sorgfältig geschriebener Text: dort klingt may nach einer tatsächlichen Option und might nach einem Außenseiterfall.

Could gehört in dieselbe Gruppe, etwa mit der Stärke von might.

Erlaubnis

May hat eine zweite Aufgabe, die might nicht teilt: um Erlaubnis bitten und Erlaubnis erteilen, und zwar formell.

Das begegnet dir in schriftlichen Regelungen weit häufiger als im Gespräch.

Die Vergangenheit: may have, might have

Um zu sagen, dass etwas in der Vergangenheit möglicherweise zutraf, kommt have plus dritte Form dazu:

He may have missed the train. She might have forgotten.

Might have steht außerdem für etwas, das beinahe passiert wäre:

You might have been hurt. — es ist nicht passiert, aber es hätte passieren können.

Die Verneinungen sind nicht symmetrisch

May not und might not bedeuten beide «möglicherweise nicht»:

She may not come. — vielleicht kommt sie nicht.

Aber may not hat im formellen Englisch eine zweite Bedeutung: nicht erlaubt.

Candidates may not use a dictionary. — das ist ein Verbot.

Der Zusammenhang trennt die beiden, und die Verbotslesart bleibt auf Regeln und Hinweise beschränkt.

In vergangenen und irrealen Zusammenhängen

Nach einem vergangenen oder irrealen Zusammenhang passt might:

I thought it might rain. / If we left now, we might catch it.

Wo es für Deutschsprachige schiefgeht

Das Deutsche hat selbst Modalverben, und das ist hier ein echter Vorteil: dürfen, können, mögen verhalten sich im Satz ähnlich wie ihre englischen Verwandten, bekommen in der 1. und 3. Person Singular keine Endung (ich kann, er kann) und nehmen den Infinitiv ohne zu. Genau das gilt im Englischen auch. Drei Dinge gehen trotzdem regelmäßig schief.

Die Wortfolge in der Vergangenheit ist umgedreht. Deutsch stellt den Infinitiv ans Ende: «Sie könnte es vergessen haben». Englisch beginnt mit have: She might have forgotten it. Wer die deutsche Reihenfolge mitnimmt, landet bei might forgotten have. Die Regel ist starr: Modalverb, dann have, dann dritte Form, in dieser Reihenfolge.

«mögen» ist ein falscher Freund — aber nur halb. Englisch may heißt nicht «mögen» im Sinne von gernhaben; das ist to like. Nur im gehobenen Deutsch deckt «mögen» die Möglichkeit ab: «Das mag sein» ist That may be so. Dieser Gebrauch klingt im Deutschen altmodisch, und deshalb benutzen deutsche Lernende may viel zu selten und greifen stattdessen zum Adverb.

Die Adverb-Strategie wird mitübersetzt. Deutsch sagt Möglichkeit sehr oft mit vielleicht oder möglicherweise und einem normalen Verb: «Es regnet vielleicht morgen». Übersetzt wird daraus Maybe it rains tomorrow — grammatisch nicht falsch, aber ungeschickt, und it rains ist hier ohnehin die falsche Zeitform. Englisch schiebt die Unsicherheit ins Verb: It may rain tomorrow.

Und eine Zuordnung, die sich lohnt: dürfen → may oder can (Erlaubnis), können → can (Fähigkeit), könnte → could oder might (Möglichkeit). Dass das Deutsche Erlaubnis und Fähigkeit mit zwei verschiedenen Verben trennt, ist genau die Unterscheidung, die Englisch mit may und can macht.

Alle Formen

BejahtVerneintVergangenheit
maymay comemay not comemay have come
mightmight comemight not comemight have come

Fehler, die du vermeiden solltest

Falsch: She mays come later. richtig: She may come later.

Modalverben bekommen nie ein -s.

Falsch: It might to snow. richtig: It might snow.

Nach einem Modalverb steht kein to.

Falsch: Do you may leave early? richtig: May I leave early?

Modalverben bilden ihre Fragen selbst, und may fragt nach der Erlaubnis aus der Sicht des Sprechers.